Ist wirklich alles schon gesagt?
Über Trampelpfad- und Elch-Content
Was soll ich denn noch schreiben? Worüber soll ich denn posten? Es ist doch alles schon gesagt!
Ich weiß nicht, wie oft ich diese Aussagen lese und höre, und ich habe sie noch nie verstanden. Meine Erfahrung war immer eine ganz andere: Warum finde ich nichts dazu? Warum hat noch nie jemand was dazu gesagt? Hat darüber noch nie jemand nachgedacht?
Bevor ChatGPT auf den Markt kam, verzweifelte ich ständig am Internet. In den großen weiten Welten des Internets, da gibt es nichts, was es nicht gibt. Das wird gern erzählt. Aber mir kam das Internet schon lange zu klein vor. Überall das Gleiche. Kaum wirkliche Gedanken, die nicht offensichtlich sind. Und wenn, dann eher im englischsprachigen Raum.
2023 wurde das für mich zum Grund, meinen ersten Blog zu gründen – für Texter:innen. Denn selbst in diesem Trend-Thema – der Markt war damals überschwemmt mit Texter:innen, die vor allem ortsunabhängig arbeiten wollten – fand ich fast nur die immer gleichen offensichtlichen Informationen oder auch gar keine.
KI-Tools sind für mich also eine Befreiung vom zu kleinen Internet. Endlich kann ich meine Fragen irgendwo eingeben und bekomme wenigstens irgendwas zurück, worüber ich weiter und weiter nachdenken kann. Ich weiß nicht, wie ich vorher ohne KI in diesem Internet klargekommen bin.
Aber warum haben gleichzeitig so viele Menschen das Gefühl, dass schon alles gesagt wurde?
Ich glaube, es liegt daran, dass immer wieder gleich gedacht wird und aus dem immer gleichen Denken der immer gleiche Content entsteht:
5 Tipps für bessere Überschriften
8 Ideen, was du posten kannst, wenn dir nichts einfällt
Mein Kunde hat mich geghostet und die Gesellschaft ist so gemein geworden
Ich nenne ihn Trampelpfad-Content.
Tausende Menschen haben diese Inhalte schon erstellt, weil sie wissen, dass sie funktionieren. Und sie funktionieren, weil sie Unsicherheit reduzieren und an bekannte Denkweisen anschließen:
5 Tipps für bessere Überschriften – weil es zeigt, dass es klare Regeln gibt
8 Ideen, was du posten kannst, wenn dir nichts einfällt – weil es Orientierung gibt
Mein Kunde hat mich geghostet und die Gesellschaft ist so gemein geworden – weil man sich darin wiedererkennt
Wenn du auf dem Trampelpfad unterwegs bist, dann kannst du variieren: zwei Tipps mehr als die Konkurrenz liefern oder schönere Grafiken erstellen oder ein bisschen bessere Texte schreiben – aber du bleibst immer im selben Denken. Und deshalb fühlt es sich so an, als sei alles schon gesagt.
Denn die meisten Dinge, die wir am Tag denken, sind nicht wirklich Gedanken – es sind Gewohnheiten.
Was aber passiert, wenn du mal einen Moment stehenbleibst und links vom Weg plötzlich einen Elch entdeckst, der dich anschaut?
Auf einmal bist du ganz woanders.
Du bist nicht mehr im Automatismus.
Du setzt nicht mehr einen Fuß vor den anderen.
Auf einmal ist es egal, ob du auf LinkedIn ein Impressum verlinkt hast oder nicht.
Du stehst einfach da, schaust den Elch an und dein gewohntes Denken kommt ins Stolpern:
„Hä? Ist das gerade echt?“
„Warum steht hier ein Elch?“
„Was mache ich jetzt?“
„Ich habe noch nie einen Elch so nah gesehen …“
Der Elch passt nicht in die menschengemachte Welt. Und trotzdem ist er echter als alles, was du bisher auf dem Trampelpfad gesehen hast.
Wie anstrengend wäre es, wenn das ständig passieren würde?
Genau deshalb ist Elch-Content selten.
Weil er unterbricht und Unterbrechung Energie kostet.
Aber er unterbricht nicht um der Aufmerksamkeit willen – nein, das wäre weiterhin Trampelpfad-Content, nur etwas lauter. Sondern, weil er eine Perspektive zeigt, die anders ist.
Während Trampelpfad-Content sagt: „So schreibst du bessere Überschriften”, fragt Elch-Content: „Warum glauben wir überhaupt, bessere Überschriften zu brauchen?”
Trampelpfad-Content gibt Sicherheit und Orientierung.
Elch-Content verschiebt den Blick.
Und diese Verschiebung entsteht nicht erst beim Lesen, sie entsteht schon beim Schreiben. Denn neue Perspektiven entstehen nicht im Autopilot, sie entstehen, wenn du erkennst, dass das, was du als Erstes schreiben willst, nur eine Perspektive ist. Nur eine Brille, durch die du schaust. Und du dann nicht einfach weiterschreibst, sondern dich fragst, ob das wirklich dein Gedanke ist oder nur etwas, das du eben kennst – eine Gewohnheit.
Es gibt also im Grunde zwei Arten von Content:
Trampelpfad-Content bestätigt bestehendes Denken.
Elch-Content unterbricht bestehendes Denken.
Also: Ist wirklich alles schon gesagt? Oder bist du bisher einfach nur dem Trampelpfad gefolgt?


Erinnert mich an eine Passage von Falco im Song “Emotional”:
Hear me babe, was soll ich dir noch sagen? - Es ist doch alles schon gesagt, du siehst ja wo ich bin. Can't you see I'm down on my knees. But I'll tell you something, wenn net…. daunn net!!!
-
Wie viel davon ist Sinnlosigkeit?
Klasse Song übrigens.
Also ich habe mir jetzt hauptsächlich das Wort "Elch" gemerkt und steh wie ein Pferd auf dem Flur und die Affen rasen durch den Wald wer hat die Kokosnuss geklaut? Sind die Gedanken wirklich frei oder letztlich so begrenzt wie die Anzahl der Buchstaben? Die nächste Frage wäre: wenn ich alle Schriftzeichen aller Sprachen dieser Welt kennen würde, würden sich dann gleichzeitig auch meine Gedanken um das hundertfache erweiterten oder sogar tausendfach oder sogar ins Unendliche? Ich frage mal Albert oder einen Stein der Weisen. Oder ich gehe mal wieder auf Traum Reisen ✌🏻☯️